Erste Frau bei der Berufsfeuerwehr in Bautzen

Madlen Neitsch - Die erste Feuerwehrfrau bei der Berufsfeuerwehr in Bautzen  - klicken für Großes Bild (im PopUp)

- Warum nicht auch mal eine Frau?!
Madlen Neitsch ist die erste Floriansjüngerin bei der Berufsfeuerwehr in Bautzen und steht dort ihren „Mann“

Brände löschen, Hilfe nach Verkehrsunfällen leisten oder die typische „Wir holen Ihre Katze wieder vom Baum runter“-Situation – der Beruf eines Feuerwehrmannes ist vielschichtig und fordert Körper und Geist. Bei dieser Berufsbezeichnung fragt man sich sogleich: Gibt es nur männliche Floriansjünger?!

Zwar gibt es in den Jugend- und den Freiwilligen Feuerwehren des Landkreises einige Feuerbekämpferinnen, aber in die Berufsfeuerwehr schaffte es bisher keine einzige Frau. Die körperlichen Anforderungen beim Einstellungstest und späteren Dienst schreckten sicherlich einige Amazonen ab.

Der beste oder vielleicht auch schönste Gegenbeweis der These, dass Frauen für manche Berufe nicht geboren wären, wird aktuell bei der Berufsfeuerwehr in Bautzen angetreten: Madlen Neitsch absolviert derzeit den Praxisteil ihrer zweijährigen Ausbildung auf der Feuerwache am Gesundbrunnenring.

Die 24-Jährige bekam die Leidenschaft für diesen Beruf durch ihren Vater Hans-Jürgen vorgelebt, der selbst Mitglied der Berufsfeuerwehr in Bautzen ist. Seit 2004 ging die zierliche Blondine den typischen Weg vieler männlicher Floriansjünger und verdiente sich ihre ersten Sporen bei der Jugendfeuerwehr. Nach bestandenem Abitur absolvierte sie eine Lehre zur Industriekauffrau und schloss diese erfolgreich ab.

Zu dieser Zeit half die Bautzenerin auch einem Freund bei der Anfertigung einer Bewerbung für die Berufsfeuerwehr. „Warum nicht auch mal eine Frau bei der Feuerwehr?“, sagte sich Madlen Neitsch und schickte eine eigene Bewerbung ab. Sie sorgte damit bei ihrem Vater für große Augen. „Ich habe ihm nichts gesagt und dann kam ich da einfach so zum Vorstellungsgespräch. Er vertrat immer die Meinung, dass dieser Beruf zu gefährlich für Frauen sei“, erinnert sich die Auszubildende. „Ich hoffe aber, dass er jetzt ein bisschen stolz auf mich ist, dass ich diesen Weg als erste Frau bei der Berufsfeuerwehr gehe.“

Die Novizin darf sich dabei der Unterstützung ihrer 35 Kollegen gewiss sein. „Madlen ist ganz klar unser Nesthäkchen, jeder hilft ihr und alles läuft jetzt noch eine Spur rücksichtsvoller als sonst ab. Aber letztendlich muss die Leistung im Einsatz stimmen – da kann keine Rücksicht darauf genommen werden, dass sie eine Frau ist“, erklärt Sandro Stübner, der stellvertretende Wehrleiter.

So stellt sich die 1,65 Meter große und 58 Kilogramm leichte Feuerwehrfrau den Herausforderungen des Berufes. Und verdient sich fast allein dadurch schon großen Respekt, dass sie zum Beispiel bei einer Ausbildungseinheit neben der bis zu 30 Kilogramm schweren Ausrüstung auch noch eine 80 Kilogramm-Puppe fünf Stockwerke hoch und wieder zurück getragen hat…

„Die Ausbildung ist hart, macht aber auch ungemein Spaß. Mich reizt die Herausforderung, dass jeder Einsatz anders abläuft. Zum Glück habe ich noch nie einen Todesfall bei einem Einsatz erlebt – ich hoffe, dies bleibt auch noch eine Weile so.“ S. Hache

Quelle: WochenKurier vom 1. August 2012, Ausgaben Bautzen und Bischofswerda